Ein guter Freund fragte mich an, ob ich ihm ein paar Zeilen zu «meinem Lebensraum» schreibe. Hier das Resultat:
Der Blick schweift durch die glänzenden Fensterscheiben. Die Sonne reflektiert sich warm im Spiegel des Hauses. Ich überquere die Schwelle von Privatsphäre und platziere mich auf den erwärmten Steinplatten. Der Blick schweift an den dunstigen Horizont. Der Herbst erlöst die Bäume von seiner prachtvollen Last. Die Blätter verändern ihr Aussehen. Schon bald wird der Förster den Wald lichten, wenn die ersten weissen Hauben aus dem entfernten Wald ragen. Die Kühe weiden in diesem Jahr das letzte Mal auf der blumenlosen Weide. Die Idylle wird jäh unterbrochen. Viel Beton, Glas, Holz vermischt sich mit Teer. Geparkte Autos begrüssen die beschäftigten, rastlosen Bewohner. Ein Kamin sendet verantwortungslos seine Rauchzeichen aus dem nebligen Tobel. Meine Füsse nehmen die Herbstwärme auf den Platten dankbar auf. Meine Augen wandern vom tief liegenden Flusslauf hinauf zur grossen Brücke. Die Blechlawine zeigt den Weg Richtung Osten. Ich setze mich in den einladenden Liegestuhl. Die Sonne verschwindet hinter den ersten regengetränkten Wolken. Meine Augenlider werden schwerer.
Ich stehe auf. Der Granit unter meinen Füssen ist uneben. Die goldige Lärche in meinem Augenwinkel leuchtet im Sonnenlicht. Ein Rauschen des klaren Bergbaches unterbricht die Glockenlieder der weidenden Schafe auf der Blumenwiese. Am Horizont kreisen die Dohlen und ein Schwarm Zugvögel entschwindet Richtung Süden. Ich wende den Bergen den Rücken zu und überschreite die Schwelle in die gute Stube. Es riecht nach Lavendel. Der Tisch, aus einer knorrigen Arve von Hand gezimmert, bietet mir einen Rastplatz. Ich setze mich auf den wackligen Stuhl und schaue auf die Feuerstelle. Die letzte rote Glut flunkert Richtung Kamin. Die Türe öffnet sich. Ich rieche den Duft von gerösteten Maroni. Wein wird in roten Karaffen gereicht. Das Gegenüber lächelt mich an.
Ein Schlag. Ich erwache.
Der Sonnenschirm liegt auf meinem Schoss. Der erste zügige Windstoss hat ihn zu Fall gebracht. Ich schmunzle. In der Ferne vermischt sich zwischen dem Rauschen des Ahorns Motorengeräusch. Die Blechlawine bewegt sich Richtung Westen. Der Abend kehrt ein in meinem Lebensraum.
Es wird dunkel. Ich freue mich auf meinen nächsten Lebenstraum.
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AntwortenLöschen(Aber die Autokorrektur von Word würde auch schon helfen.)
Ein Rätsel bleibt aber: Wieso haben die Schafe Blumen, die Kühe aber nicht?